Erzählt von Adrie Verboord Landgoed Steenenburg im Wandel der Jahrhunderte | Teil 3: Das Ende des Schlosses

Hinter Landgoed Steenenburg und seiner Umgebung verbirgt sich eine Fülle von Geschichten. In dieser Blogreihe nimmt Adrie vom Heimatverein Sie mit auf eine Reise in die Vergangenheit, und Sie erfahren, wie sich die Region im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Begeben Sie sich auf eine Reise durch die Vergangenheit und entdecken Sie diesen besonderen Ort mit neuen Augen. In diesem Teil erfahren Sie alles über das Ende des Schlosses.

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Der Winter, der alles veränderte

Im Jahr 1707 heiratete Isabella van Schagen Jean-François d’Oultremont. Nach dem Haus von Drunen, dem Schloss von Drunen und Schloss Steenenburg hieß es fortan Schloss d’Oultremont.

Und sie lebten noch lange und glücklich? Das wäre durchaus möglich gewesen, doch das Schloss hat das Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr erlebt. Ab 1790 unternahmen die französischen Truppen Napoleons mehrere Versuche, Holland zu besetzen. Unter anderem dank des Einsatzes der Zuiderwaterlinie gelang dies jedoch nicht. Das Land wurde dabei größtenteils unter Wasser gesetzt, gerade so hoch, dass die Pferde nicht hindurchgaloppieren konnten. Schließlich konnten sie Gräben und Wassergräben nicht mehr sehen.

Solange „der Feind“ nicht darüber hinwegfliegen konnte, funktionierte eine solche Wasserlinie hervorragend. Allerdings funktionierte sie doch nicht immer einwandfrei. So zum Beispiel im Jahr 1795. Heute ist es kaum noch vorstellbar, aber vor einigen Jahrhunderten herrschte hier noch die sogenannte „Kleine Eiszeit“. Der Winter 1795 war ein sehr kalter Winter, es fror, dass es knackte, und auch die Flüsse waren zugefroren. Tja, dann hilft auch eine Wasserlinie nicht mehr weiter. Das wird dann zu einer großen Eisfläche, über die die französischen Truppen einfach so in die holländischen Provinzen einmarschieren konnten.

Das Ende von Schloss d’Oultremont

Dabei spielt auch das Schloss d’Oultremont eine Rolle. Zunächst wurde das Schloss von den Franzosen eingenommen, um es als Lazarett für verwundete Soldaten einzurichten. Da es dort jedoch wirklich eiskalt war, wurde alles Brennbare verwendet, um ein wenig Wärme zu erzeugen. Da könnte es durchaus passieren, dass jemand mit erfrorenen Fingern daneben wirft und ein Feuer an einer Stelle entfacht, an der das nicht gerade praktisch ist.

Wie dem auch sei, Schloss Onsenoort brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Aber zum Glück haben wir noch das Torhaus! Das Schloss wurde nie wieder aufgebaut, die noch brauchbaren Materialien wurden verkauft und das Torhaus wurde als Wohn- und Aufenthaltsort eingerichtet. Das Schloss ist also schon seit 230 Jahren verschwunden, aber wir suchen immer noch nach dem genauen Standort, an dem es einst stand.

Landhaus und Jagdgebiet

Der Wohnsitz der Familie d’Oultremont blieb stets Brüssel. Die Familie kam in der Regel zweimal im Jahr zu ihrem Anwesen in Nieuwkuijk. Oder ist es doch Drunen? Um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, gibt es im katholischen Süden auch noch die Pfarreien. Gemeinde- und Pfarrgrenzen waren bei weitem nicht immer identisch. Das Schloss gehörte unbestritten zur Pfarrei Nieuwkuijk, und die Familie d’Oultremont ging daher auch in Nieuwkuijk zur Kirche.

Zweimal im Jahr also, im Sommer in ihre Sommerresidenz und im Herbst kam eine ganze Gesellschaft hierher zur Jagd. Dass das Landgoed Steenenburg über diese schönen Alleen verfügt, die übrigens weit über die Grenzen des heutigen Landguts hinausreichten, ist eine Folge der Investitionen des Grafen in ein attraktives Jagdgebiet.

Vom Adelsbesitz zum „Land van Ooit“

1984 verkaufte die Familie d’Oultremont das Anwesen an Marc Taminiau, der dort das „Land van Ooit“ gründete. Es gab zwar keine finanzielle Notwendigkeit für den Verkauf, doch das Anwesen war mittlerweile zu einem teuren Spielzeug geworden. Die Instandhaltungskosten, die Steuern und die Gehälter summierten sich für einen Landsitz, der nur zweimal im Jahr genutzt wurde, zu einer beträchtlichen Summe.

Von 1707 bis 1984 sind immerhin beachtliche 277 Jahre vergangen. Dagegen stehen die 18 Jahre des „Land van Ooit“ von 1989 bis 2007 in krassem Gegensatz.

Ein neues Kapitel für Steenenburg

Nach dem Erwerb des Landguts durch die Gemeinde Heusden dauerte es noch einige Jahre, bis mit der Errichtung eines wunderschönen, historisch geprägten neuen Wohnviertels begonnen wurde. Die Straßennamen klingen adelig, und die Glücklichen, die dort wohnen dürfen, werden sich in einer solch kulturhistorisch reichen Umgebung vielleicht nicht wie Adlige fühlen, aber zweifellos privilegiert.

Adrie Verboord

Adrie Verboord ist Vorsitzender des Heimatvereins Onsenoort und hat dank seiner Neugier und Lernbegierde im Laufe der Jahre einen reichen Schatz an Wissen über die Geschichte der Gemeinde Heusden angesammelt. Auf seine ganz eigene, begeisterte Art erweckt er historische Ereignisse, besondere Persönlichkeiten und vergessene Geschichten zum Leben.

Laut Adrie ist Heimatkunde alles andere als verstaubt. Im Gegenteil: Je mehr man über die Geschichte seiner Umgebung weiß, desto mehr sieht, versteht und schätzt man die Orte um sich herum. Mit dieser Blogreihe nimmt er Sie mit auf eine Reise durch Jahrhunderte lokaler Geschichte und zeigt Ihnen, wie überraschend, spannend und aktuell die Vergangenheit sein kann.

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